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Die Seite „Neuigkeiten“ wurden eingerichtet, teils um von aktuellen Dingen rund um „TirolerFreiheit“ zu berichten, aber auch um die neue Sicht zu erklären, die im Zusammenhang mit Gesprächen rund um „TirolerFreiheit“ zur Dokumentation herausfordert.


Weblog:

Dienstag, 24. Juli 2007 - 14:33 Uhr
Die Rolle Andreas Hofers in neuer Sicht

im Bild: Andi Perr, der Andreas Hofer aus Grinzens - in Schieflage

Anmerkungen zu Andreas – Hofer - Biographien
Zur Identitätskrise „Übervater“ und Kritik an ungleichzeitiger Biographie

Spiegelt sich in privaten Entwicklungen die Entwicklungen einer Zeit? Ja. Gilt das Gesetz: der Analogie von Phylogenese und Ontogenese? Wenn das so ist, müssen wir die Hoffnung auf eine neue Biographie des Andreas Hofer noch nicht aufgegeben.
War er wirklich so gefestigt und klar in seiner Persönlichkeitsstruktur, wie er uns „brauchbar“ vermittelt wird? Es gibt in dem Punkt höchst widersprüchliche Interpretationen. Die ältesten Zeugnisse bescheinigen, dass neben den Standardeigenschaften eines Vaterlandshelden (Unerschrockenheit, Mut, Führungsqualität etc.) Depression und Unsicherheit eine kontrapunktische Rolle spielten.
Biographien nahmen dieses Widersprüchliche, das Dramatische der Persönlichkeit kaum wahr. Soweit sich Biographien auf ältere Biographien stützen, bleibt der Blick auf das Gegensätzliche fast durchgehend auf der Strecke. Es fehlt ihnen die Lust am Aufspüren von Eigenschaften, Fakten und Umständen, die nicht ins Bild passen. Aber gerade sie sind dazu angetan, den Kult mit dem Mythos zu relativieren.
Da erschien 1996 die Neuauflage der Biographie „Andreas Hofer“ von Karl Paulin, „neu durchgesehen und ergänzt“ von Franz Heinz Hye, die weitgehend ungeschminkt Ideologie aus jenem Jahr 1934 fortschreibt. Der Anlass war die „125-Jahr-Feier“, der für das Festschreiben für Ungleichzeitigkeiten sorgt! Der Blickwinkel 1934 war der Zeitgeist der Demokratieabschaffung. Paulin schrieb damals: „ Bei meiner Arbeit war ich bestrebt, der geschichtlichen Wahrheit zu dienen...“ Aber was ist Wahrheit? Sie ist immer relativ und besteht aus den Beleuchtungen von unterschiedlichen Seiten aus, die nebeneinander gleich gültig sind. Alles das, was nicht in der Weise relativiert, ist dogmatisch, ist Kult, undramatisch und letztlich unseriös und unwissenschaftlich. Sie meint, Geschichte „faktisch“ fixieren zu können, was keine Relativierung zulässt. Der Aufklärung wird damit kein guter Dienst erwiesen.
Da sind wir aber am springenden Punkt der Geschichte und der Rezeption rund um die Geschichte des Tiroler Freiheitskampfes. Ist Aufklärung gewollt oder ist „die Aufklärung“ der Feind eines Kultes.
Nach Durchsicht von etwa 40 Andreas - Hofer - Stücken sehe ich den Begriff „Aufklärung“ fast nur im Zusammenhang mit den zu bekämpfenden Feinden auftauchen, und zwar als abfällige Beurteilung. „Die Aufklärung“ gehört sozusagen zur militärischen Ausrüstung der Bayern und Franzosen. Sie wird als Idee in keinem Fall als Kontrapunkt „wahr genommen“, wobei ja erst eine Auseinandersetzung mit der Dialektik der Aufklärung den Stoff dramatisch werden ließe. Und erst damit das Reagieren, Lavieren und Zementieren der monarchischen Welt nachvollziehbar wird.
Lassen Sie mich auf den lässigen Umgang - man könnte auch nachlässig sagen – mit der Geschichte am Beispiel der Hofer-Biographie von 1934 mit seinen Neuauflagen 1981 und 1996 näher zurückkommen:
Hofer im Blick von Dokumenten aus seiner Zeit ist ein anderer als derjenige nachfolgender Generation. Das ist doch klar, möchte man meinen und implizieren, dass die Distanz mit einer Differenzierung verbunden ist. Das Gegenteil stimmt. Verklärung statt Aufklärung trägt zur Indifferenz bei. Sie schaltet auch Interferenzen aus, die als Auf und Ab an Wechselspielen Annäherungen an das sind, was statische Geschichtsgenrebilder als fixe Bestandteile bezeugter Wahrheiten vermeinen.
Für uns Nachkommenden ist Hofer eine Erinnerungsgestalt mit kollektiven Prägungen, das Puzzlespiel aus kaisertreuen, nationalistischen und bürgerlich nationalen Einzelteilen. Man mag diese zusammensetzen, wie man will. Es fehlen uns zu viel Teile, um daraus ein Gesamtbild zusammensetzen zu können. Wir sind dazu verleitet, die fehlenden Teile durch Überhöhungen ganz werden zu lassen. Nichts ist verführerischer als diese „Ganzheit“, die uns beruhigt und uns in der Sicherheit des ozeanischen Gefühls (Begriff aus: Freud: Unbehagen in der Kultur) eine große Gemeinschaft erleben lässt, die unser große Sehnsucht ist. Wir setzen uns nicht aus. Wir wollen nicht als Narren im Narrenschiff auf hoher See allen Winden ausgesetzt sein. Wir halten daran fest, dass die Steuermänner den Überblick nicht verloren haben. Genau das hat zu allen Zeiten in unterschiedlichen Zusammenhängen macht Andreas Hofer politisch so brauchbar gemacht.
Ist das künstlich über die fehlenden Teile ergänzte Bild, das wir von Andreas Hofer haben, eine Sache der Rezeption nach seinem Tod oder hat die Idealisierung nicht schon vorher begonnen? Hat er daran nicht auch selber mitgewirkt? Ist er nicht irgendwann einmal mit seiner „Größe“ in Konflikt gekommen. Sind ihm nicht selber einige Teile seines Selbstbildes schon verloren gegangen? Fragen dieser Art kommen aus einer dramatischen Sicht der Dinge, um die es ja in der Vorlesung zur Reflexion des Volksschauspieles über Andreas Hofer und die Helden von 1809 geht.
These: Nicht erst nach seinem Tod wurde Hofer als Mythos brauchbar und verschiedentlich instrumentalisiert. Erlauben wir uns die Frage nach dem persönlichen Entwicklungsprozess Hofers, wie er in seine „Rolle“ hineingewachsen ist. Fragen wir danach, wer ihm diese Rolle zudiktiert hat und in welcher Form er dieses Diktat in seine Persönlichkeit integriert hat. Fragen wir weiter, wie es in der Person Hofers zur Identifikation mit seinem verinnerlichten Auftrag gekommen ist, den er als absolut bestimmend für sich empfunden hat. Wir erhalten möglicherweise neue Antworten, die uns sein Ende klarer erscheinen lassen. Depression und Selbstverklärung sind dann plötzlich Kriterien, die uns die Person als dramatischen Held erkennen lassen. Johannes Holzner hat Hofer (in der bisherigen dramatischen Literatur) ja die Tauglichkeit für einen solchen aberkannt und zahlreiche Gründe aus der Hoferrezeption als Beweis heranziehen können.
Es gibt viele Biographien Hofers. Aber welche sind für ein Psychogramm tauglich? Man nannte ihn, der früh seinen Vater verloren hat “Vater Hofer“. Und dieser Mann geriet aus dem Geleis, als der gute Vater Kaiser Franz als Vater versagte (er versprach etwas, was er dann nicht halten konnte. Auch verlor er sein „von Gottes Gnaden“ als er vom Franz II. zum Franz I. wurde.) und sich auch der Papst als Heiliger Vater jenem Napoleon unterwarf, der sich selber krönte. Stand Hofer mit seiner Verteidigung des von ihm idealisierten (?) Vatertums allein da in einer Welt, in der das (besitzende) Bauerntum mit seinem „Hofwesen“ ein gesellschaftlich letzter Verbündeter der Idee des Gottesgnadentums war?
Mir kamen all diese Gedanken, die ich erst nach Widerstreben zuließ, als ich von einer der ersten Kampfhandlungen las, bei der sich Andreas Hofer hervortat. Es ging um ein Scharmützel bei Sterzing. Eine feindliche Kanonenstellung sollte genommen werden, was zunächst unmöglich schien. Man hat dann einen Heuwagen, gezogen von Bäuerinnen an der Stellung vorbeifahren lassen. Im Heu versteckte Scharfschützen hätten dann dei Stellung von rückwärts angegriffen und genommen. Hofer war nicht dabei aber irgendwie hat der Angriff als seine Idee gegolten und damit ist sein Ruf weithin verbreitet worden. Was an dieser Erzählung oder Fakt ist, mag weniger Bedeutung haben als der Umstand, dass am Beginn der Laufbahn Hofers als Kommandant bereits eine Legende steht, und diese ausgerechnet die Geschichte vom Trojanischen Pferd variiert. Überdies schwingt in dieser Erzählung etwas von der Magie der Unverwundbarkeit mit. Hofer steuert zielsicher und als Person geschützt im Hintergrund magisch das Geschehen an der vordersten Front. Von dem Vorfall in Sterzing bis hin zu den Schlachten am Bergisel war Hofer der Feldherr mit dem „Über – Blick“ über einen nur durch seine Vision zusammengehaltenen „Haufen“. Er wurde nach seinem Tod das Symbol für die Bezwingbarkeit übermächtiger Heere mit Mitteln des Volkskrieges, das Symbol für die Macht des freien Kräftespieles über die absolute Ordnung militärischer Pläne und Ordnungen. Was ist stärker, das Zu- und Loslassen elementarer Naturkräfte oder die Verordnung unkritisch aufgeklärter Kultivierung des „funktionierenden Menschen“. Solche Gedanken lassen einen neun Hofer (er)finden. Er wird zum Sinnbild für den aussichtslosen Kampf gegen den Missbrauch von Aufklärung!!
Er ist aber nicht der erste und auch nicht der einzige, aus dem sich das Gesamtbild des Widerstandes gegen die missbrauchte bürgerliche Revolution. 1809 in Tirol war die wiederholte Übung der Grausamkeiten von 1808 in Spanien. Die waren das erste Wetterleuchten des Wendepunktes am Horizont eines Kontinentes jenseits von Fürstenherrlichkeit und Militarismus.
Ich glaube, wir sollten auch über die „Magie“ des Feldherrn Hofer im Zusammenhang mit dem magischen Denken diskutieren, gegen welche die „Aufklärung“ (präziser: die unaufgeklärte Aufklärung) zu Felde gezogen ist. Es besteht ein ausgesprochen großer Erklärungsbedarf für die Behauptung, dass die Abschaffung von Bräuchen und Riten der Hauptgrund der Tiroler Erhebungen gewesen sein dürfte. Wenn wir die Behauptung als zutreffend gelten lassen (schon der Priester Daney als Zeitgenosse Hofers stellte sie auf), stand 1809 der drohende Verlust von der magischen Kraft von Führernaturen an. Mitten zwischen den Bergiselschlachten verlor Napoleon sein Image als unverwundbarer Held. Er wurde vom dynastischen Held Erzherzog Karl geschlagen. Der wiederum verlor sein Image als Überwinder des Unüberwindbaren gleich in der Schlacht danach. Kaiser Franz verlor seine Magie als ein von Gottes Gnaden berufener als er sich in der Euphorie einer gewonnen Schlacht einbildete, den Krieg gewonnen zu haben. Seine Macht verkam zum Wunsch, die Macht zu besitzen, Tirol sein Eigen nennen zu können.
Die Gesichter der Heroen der Geschichte bekamen Falten und hielten dem Druck von Untertanen, die sich ohne väterlichen Schutz verloren vorkommen mussten nicht stand. Können wir uns mit der Vorstellung anfreunden, dass die Magie des „Vater Hofer“ darin bestand, dass er in Identifikation mit Väterlichkeit durch Selbstaufopferung zum Retter der (fiktiven) alten Welt wurde, in der die Ordnung zwischen Herr und Untertan den Charakter einer familiären Bindung hat?
1809 ist die Magie und die Energie der Reichsväter als gütiger Führer ihrer unmündigen Kinder erloschen, zum guten Teil deshalb, weil ein Teil von ihnen den „Ausgang aus selbstverschuldeter Unmündigkeit“ (Definition des Begriffes „Aufklärung“ von Kant) gefunden haben. War die französische Revolution so etwas wie ein Pubertieren des jungen Europa?
Wenn das Bild wenigstens als Assoziation stimmt, dann wird es doch für Andreas Hofer als tragischen Bühnenheld eine bedeutende Rolle spielen müssen, dass er früh seinen Vater verloren hat, also die biographisch bedingte Tendenz zur Idealisierung von Väterlichkeit nur natürlich erscheint. Übrigens. Hat nicht auch Erzherzog Johann der Schirmherr des Tiroler Freiheitskampfes seinen Vater früh verloren? Das intensive Wechselspiel zwischen dem Bauernführer und dem Erzherzog mag uns nicht minder zu denken geben und uns Eckdaten zur Charakteranalyse liefern.
Nehmen wir uns die Hofer zudiktierten Charaktereigenschaften einmal vor, wie sie uns ungleichzeitig vorgeprägt erscheinen, womit ich auf die Biographie von Karl Paulin (1934/1981/1996) zurück kommen will.
Wir können zuerst einmal feststellen, dass die Charaktereigenschaften Hofers als vererbt und a priori vorhanden hingestellt werden und wenig Augenmerk darauf gelegt wird, Veränderung in der Charakterentwicklung festzustellen. Nun, dem Alkohol war er nicht von Geburt an zugeneigt. Aber sonst scheinen Biographen Kultur- Geistes- und Lebensgeschichten dieser Art ein wenig zu sehr über den Kamm von Vererbungstheorien zu scheren.
Am 22. November 1767 wurde Andreas Hofer geboren, „der ... um Mitternacht das Licht der Welt erblickte“. Wenn er schon kein Christkind ist, deutet der Biograph wenigstens Mitternacht als Geburtszeit als bedeutend an, was denn auch früher schon als Zeichen des Himmels gedeutet wurde. Es soll eine Himmelserscheinung gegeben hab. Aber das nur nebenbei. Wenn ein Held schon nicht aus dem Nichts auftaucht und damit ein Projektionsfeld für die Verklärung göttlicher Abstammung anbietet, braucht es zumindest eine Himmelserscheinung, die für den Nimbus seiner Erleuchtung sorgt.
Da die Mutter Hofers aus Matrei /Br. stammte sei vorherbestimmt gewesen, „dass in dem Befreier Tirols die besten Volkselemente beider Landeshälften verkörpert waren.“ (a.a.O. S. 9) “Nach dem frühen Tod des Vaters war der siebenjährige Andreas ausschließlich auf die Entwicklung seiner eigenen Kräfte angewiesen. (aaO. S.10) Und der Tod der Mutter, die er noch früher verloren hat, spielte dabei eine geringere Rolle? Paulin deutet weiter: Das frühe Verlassen-Sein von Vater und Mutter habe in Andreas früh zur Selbständigkeit geführt. Und er habe damit durch „seine körperliche Erscheinung und seinen gefestigten Charakter“ seine Kameraden überragt. „Von gedrungener, kraftvoller Gestalt und außergewöhnlicher Muskelstärke, trat Hofer oft.... als Robler auf, errang aber seine Siege nur zur Ehre des heimatlichen Tales.“
Das Wissen um die Entwicklung im Leben des Helden Andreas Hofer danach wird über seine Jugend gestülpt.
Demnach sei seine Schulzeit davon bestimmt gewesen: „Langsam, aber mit beharrlichem Fleiß eignete er sich Kenntnisse an und verarbeitete sie in seinem kernigen, gediegenen Wesen derart, dass bald die Grundzüge einer eigenartigen Persönlichkeit mit natürlicher Führerbegabung hervortraten...“
Das Wetterleuchten von Zukünftigem wird 1934 in dieser Biographie als etwas magisch Wirkendes in einer Führernatur erkannt. Das Wesentliche seines Charakters wird durch seine vorher bestimmte bzw. sehr schnell sichtbare Größe definiert, ohne hierfür Nachweise erbringen zu können. Das entspricht einer Ideologie, in der Führer groß werden konnten. Bemerkenswert daran ist, dass nachfolgende Andreas Hofer Jahre als Rechtfertigungen benützt werden Ungleichzeitiges heraufzubeschwören.
Aber nehmen wir die Interpretation des zur Führernatur geborenen Andreas Hofer als Legende und fragen wir uns, ob es die nicht auch schon zu Lebzeiten Hofers gegeben hat. Ich tät´s einmal so vermuten und gehe, ausgehend von dieser Vermutung davon aus, dass die Legenden ab einem gewissen Zeitpunkt auf die Persönlichkeitsentwicklung direkt Einfluss genommen hat.
Welche Rolle hat Andreas Hofer übernommen? Von wem, für wen? Das sind theatralische Fragen? Nein. Das sind Antworten auf die Festlegungen bisheriger Biografien. Infragestellungen von Vor – Urteilen. Von Urteilen, die Vorgeschichten aus dem Nachhinein konstruieren und nicht reflektieren, dass es sich dabei um Legendenbildungen handelt.
Aber gut, was haben wir schon in der Hand an Zeugnissen, um uns unsere Vorstellungen von der Entwicklung der Persönlichkeit Andreas Hofers zu machen?
Was hat ihn geprägt? Die Schule? Immerhin, es hat sie gegeben und sie war eine Frucht der josefinischen Aufklärung. Wenigstens da können wir einen Splitter aus der Dialektik der Aufklärung orten. Hofer war des Schreibens mächtig. Und des Handeln. Er vertrieb erst Wein und mit derselben Selbstverständlichkeit später Informationen über Handzettel. Er war zumindest ein wenig Kind der Aufklärung, auch wenn er dann gegen sie antrat. Er unterschied zwar nicht zwischen der Idee der Aufklärung und dem, was in ihrem Namen getrieben wurde, aber spürte den Missbrauch an den Folgen der Abschaffung von Bräuchen. Diese Annäherung an die Persönlichkeit Andreas Hofers sollte zumindest ein Kontrapunkt folgende von Paulin festgeschriebene Traditionsmeinung relativieren: „Andre Hofer zeigte bei geringer Bildung gesunden Hausverstand und treffenden Mutterwitz, ein einfaches, aber meist richtiges Urteil und eine Art Bauerninstinkt, der im ersten Angriff Dinge richtiger auffasste als der lang überlegende Geist.“ (a.a.O. S.12) Man lese zwischen den Zeilen: Hofer ist der Mythos des instinktsicheren Handelns verwurzelter Naturen im Gegensatz zum überlegenden Geist, der das Handeln und den Blick auf die Wahrheit und das natürlich Wirkende behindert. Im Klartext: Bitte liebe Kinder bleibt Kinder und lasst die Hände weg von der Schnalle der Tür, die aus der Unmündigkeit führt. Der Zorn und die Wut über diese Ideologie entlud sich 1848. Sie war nicht groß genug - um mit B. Brecht zu sprechen - Noch 1996 wurde sie in ungebrochener Folge nach 1934 als nicht relativiertes Element „neu aufgelegt“, wie es so schön heißt.
In dem selben System werden bei jedem neuen Andreas Hofer Jubiläum (kein Mensch fragt danach, was es da eigentlich zu jubeln gibt – und warum nicht von Trauerjahren die Rede ist, in dem Tote beweint und vergebene Möglichkeiten der Befreiung hinterfragt werden) alte Ideologien ungeprüft frisch aufgetischt.
Die Rezeptionsgeschichte der Freiheitskriege hat in den letzten zehn Jahren einige entscheidende Veränderungen in Richtung kritisch hinterfragter Bilder erfahren. Da erschien mit Unterstützung der Kulturabteilung des Landes Tirol zum Beispiel im Jahr 2000 Siegfried Steinlechners „Des Hofers neue Kleider“ (Studienverlag) worin kurz und bündig die Geschichte der Kleider beschrieben wird, die im Verlauf der Zeit Andreas Hofer übergestülpt worden sind. In Stichworten ergibt sich demnach folgendes Bild:

Die Verherrlichung der Ereignisse von 1809 begann im Ausland, getragen von napoleonfeindlichen Intellektuellen und Literaten Deutschlands und Englands.
Für bürgerliche und intellektuelle Kreise in Tirol im Vormärz ist Hofer das Symbol für ihre Freiheitssehnsüchte nach nationaler Identität.
Nicht minder wird Hofer für die Identitätsbildung des 1804 neu ausgerufenen Kaisertums Österreich wichtig. Erstes Denkmal in dem Sinn: 1834.
Eine weitere Welle der Begeisterung setzte kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts ein, im Umbruch zwischen Verherrlichungen, wie sie in der Genremalerei bis hin zum frühen Albin Egger und Bildkorrekturen wie sie u.a. bei Schönherr und Kranewitter zum Ausdruck kommen.
Es gab dann im 20. Jahrhundert zahlreiche weitere Vereinnahmung, deren Aspekte eine neue Bedeutung bekommen, wenn wir Andreas Hofer nicht als statische, unverrückbare Größe sondern in seiner Charakterentwicklung darstellen. Jedenfalls soll das der Ansatz für mögliche neue Einsichten sein, wenn wir Geschichte auf der Ebene der theatralen Reflexion prüfen.
ekkehard s.

Montag, 23. Juli 2007 - 16:51 Uhr
Der Tod ist immer dabei

Martin Sailer fragte bei TV-Interview für "Tirol heute", ob denn die Figur des Todes in "TirolerFreiheit" als Rückgriff auf die Mysterienspieltradition zu sehen sei. Beim spannenden Beitrag wurde das Thema dann nur gestreift. Es sei an dieser Stelle darauf zurückgekommen....
Es war kein bewusster Rückgriff, so wie etwa Hofmannsthal beim "Jedermann" bewusst die Tradition erneuern wollte. Stefan El Batawy spielte bei der Passion Grinzens einen Schergen, mit grober Stimme und exzessiver Geste. Und da er Sänger der Gruppe "turnout" ist und er schon vor einem Jahr davon schwärmte: "Irgendwann einmal will ich den Tod spielen", haben wir uns darauf geeinigt, turnout in "TirolerFreiheit" mit ein zu beziehen und Stefan den Tod spielen und singen zu lassen.
Der "Tod" ist auf der Bühne immer ein "personifiziertes Abstraktum", eine Allegorie, und als Bühnenfigur überdies ein Jedermann-Klischee. Um das Klischee zu vermeiden und die Mahnung "memento mori" (Gedenke des Todes) nicht moralapostelnd - und theatralisches Vergnügen - von der Bühne herunter zu schmettern, haben wir die Figur aufgelöst und eine Figurengruppe daraus gemacht. In dieser Weise zieht Stephan als Tod-Sänger eine lange Blutspur, eine überlange Schleppe, hinter sich her. Und die trauernden Frauen, die die Schleppe tragen, stimmen in den Klagegesang mit ein. Daneben erscheint eine Männergruppe, die annähernd so aussieht wie sie Egger Lienz im "Totentanz" darstellte. Das nahmen wir als Vorbild, zumal Egger den Tod mitten unter Landesverteidigern zeigte. Das Bild trug dem Maler (1909) übrigens die Missgunst des Kaisers ein. Denn der war gerade dabei sein Heer auf einen "Hurra - Krieg" einzuschwören.
Überdies wird der "Tod" in der Figurengruppe der Landesverteidiger als Stabfigur mitgetragen. Der Kopf hat aber nicht die Gestalt eines Totenschädels, wie wir ihn aus "Nikolausspielen" und vom Jedermann her kennen sondern mutet an wie ein Außerirdischer. Dazu kam es, weil wir die Crea-Reha-Werkstätten in Innsbruck (dort gibt es eine Behinderten-Theatergruppe) die Figur entwerfen lassen wollten. So entstand der "ausserirdische Tod" aus der Fantasie von Behinderten. Diese Autentizität war uns wichtiger als das Klischee.

Montag, 23. Juli 2007 - 11:31 Uhr
Das Lied von den drei Kronen - Rupert Larl fotografiert

Seit Jahren verfolgt Rupert Larl, der bekannte Tiroler Theaterfotograf, den Aufstieg der Sendersbühne Grinzens und begleitete auch "TirolerFreiheit" mit seinen scharfen Blick ausdruckstarke Bilder.
Eines davon zeigt das Lied von den Kronen Napoleons.

Montag, 23. Juli 2007 - 11:17 Uhr
Aschbacher nicht Aschaber, die vierte Schlacht

In der Hitze des Gefechtes schlich sich ein Lesefehler ein. Dr. Aschaber (siehe "Gästebuch" bemerkte ihn. Zur Richtigstellung (Aschbacher nicht: Aschaber), sei hier der Verlauf der vierten Schlacht am Bergisel nach Josef Hirn wie folgt beschrieben:

Der 1. November wurde zum Angriff bestimmt. Die taktischen Vorbereitungen der Bauern waren von der Abwesenheit Speckbachers geprägt. Der hatte bisher, außer Verbindung mit dem Zentrum, dem Feinde die Überschreitung des Flusses in Hall und Volders verwehrt. Seine Ordre: Auf Befehl Hofers darf kein Postenkommandant einen Schuss auf den Feind machen lassen, außer wenn der Feind stark angreift. Morgen, so kündete ein neuer befehl, werden alle Anstalten getroffen, dass die Mannschaft weder vorrückt: „Sucht nur die Posten zu behaupten, damit wir den Feind wieder zurückdrängen.“ In dem Augenblick, da Speckbacher diesen Zettel erhält, sieht er im Tale schon bedeutungsvolle Bewegung. Er lässt den beim Kohler in Kleinvolderberg stehenden Straub zur Vorsicht mahnen. "Denn in Innsbruck wird schon adagiert. Wann der Feind in die rechten Ort kommt, so soll bei der Volderer Brücke der Angriff geschehen, wo wir zu gleicher Zeit bei der Haller Brücke angreifen. Ich werde schon schnell Ordonanz schicken, Wenn möglich, möge Straub von allen Seiten den Feind beängstigen. Und mit einem frommen Aufblick, den der Haudegen vom Sandwirt gelernt haben könnte, schließt er: "Alles sei allen Heiligen Gottes anbefohlen, dessen Fest mihr heut feiern. Sieberer brachte aus Matrei die Losung zurück, man habe auf Firler zu achten, der von Hötting aus den Angriff eröffnen und den Feind gegen Mühlau werfen werde. Gewartet hat man auf ein solches Zeichen vergebens, die Angreifenden waren die Bayern.
(Die Anklage gegen Firler, welcher betrunken die festgesetzte Zeit ver. schIafen habe, erhebt Sieberer. Ihr gegenüber steht ein leider undatiertes eigenh. Schreiben Hofers an Firler, das ich zeitlich nicht anders als in die letzten Oktobertage einzureihen vermag. Es lautet: "Mein Gedanke ist der, einderspörren tuen mier den Feind nicht. Von allen Seiten laufen Klagen ein, dass das Volk davonlauft. Mit wenig Volk sein mier nicht im Stand. Meine Meinung ist, du sollst den Feind nicht angreifen, damit er durch die Scharnitz durchkommen kann, damit wir ihn so aus dem Land bringen. Unter der Zeit wird es sich wohl scheiden, Das ist bei dir alleinig zu halten." J. M. Damit ist zu vergleichen der von Delama gegen Firler erhobene Vorwurf (A. G.): "Die Schuld hatte F., welcher bei Kranewitten viel zu spät aufbrach und so den Bayern die Strasse offen liess."
Vom dunkeln Nebelgewölk, das die ganze Landschaft am Morgen des 1. November bedeckte, begünstigt, konnte Drouet ungehindert seine Angriffsdispositionen treffen. Hinter den 24 in den Wiltener Feldern aufgefahrenen Geschützen standen die sturmbereiten Bataillone. Von den Volksmassen in solcher Zahl und solcher Qualität, wie sie der Iselberg in den vorausgegangenen Monaten dieses Jahres wiederholt gesehen, war nur mehr ein Teil gegenwärtig. Aschbacher und Danei verfügten im Zentrum etwa über 3000 Mann, Delamas linker Flügel zählte nur die Hälfte, vom rechten Sillufer bis Volders, aber in viele Abteilungen aufgelöst, standen 5000.
Als es sich gegen 9 Uhr zu hellen begann, eröffneten die Bayern die Kanonade. Die Doppelhaken am Berge wollten erwidern. Alsbald erwies sich die Bedienungsmannschaft als zu geringfügig und ungeübt. Die gegnerischen Geschosse zerstörten die ohne Fachkenntnis errichteten Schanzwerke. Den Sturmlauf begann die Infanterie gegen den linken Flügel, dessen Schwäche dem bayrischen Kommando nicht unbekannt geblieben sein wird. Der Husslhof wurde genommen und von dort aus die Höhe von Natters erreicht. Damit wurde schon Flanke und Rücken des Zentrums bedroht, gegen dessen Stirnseite sich nun auch die Kolonnen von Wilten her in Bewegung setzten. Zu einem Verzweiflungskampfe, wie ihn der Mahrwirt mit seinen löwenmutigen Genossen im August am Hohlwege aufgenommen, kam es nicht mehr. Die Bauern verließen ihre zusammengeschossenen Erdwälle und enteilten durch das enge SilltaI. Kaum zwei Stunden füllte die Affäre. Ehe noch die Mittagsglocken läuteten, wurden die erbeuteten Hakenbüchsen vom Iselberg triumphierend in die Stadt gebracht. Der Kürze des Zusammenstosses entsprach die Geringfügigkeit der Verluste. Die Bayern hatten ein halbes Hundert Verwundete, von den Tirolern gerieten ebensoviel in Gefangenschaft. Ostwärts der Sill, wo sich Haspinger herumtummelte, gab es noch in den Nachmittagsstunden feindliche Begegnungen, aber ohne Belang. Der ganze rechte Flügel stand tatsächlich wieder außer Zusammenhang mit dem Zentrum. Speckbacher begnügte sich, die Haller Brücke zu beaufsichtigen und verließ erst spät am Tage die Höhen des östlichen Mittelgebirges. Straub versichert später, er habe in seiner Stellung bei Volders von den Vorgängen bei Innsbruck an diesem Tage überhaupt nichts erfahren. In der Hauptsache aber teilte dieser Flügel das Schicksal der übrigen. Ein guter Teil der Mannschaft schlug den Weg über die Ellbögenerstrasse ein, so taten auch Sieberer und Haspinger. Ebenso nichtssagend war die Demonstration der Oberinntaler unter Firler und Marberger. Der Lärm des Geschützdonners am Isel rüttelte sie aus ihrer Stellung an der Martinswand auf. Hoch oben auf Bergsteigen, durch den Wald gedeckt, näherten sie sich der Nordseite der Stadt. Sie wechselten Schüsse mit dem dort postierten Bataillon Habermann und, die Auflösung am jenseitigen Ufer gewahrend, traten sie bald den Rückweg an. Bereits fanden sie durch General Rechberg die Strasse nach Zirl verlegt, so dass sie sich in die Klammen des Solstein retten mussten. Fürwahr, es war ein kläglicher Tag, an dem auch nicht einer die Fahne der früheren Sieger hochgehalten hat. Was half es, wenn einer dem andern die Schuld beimass: Haspinger dem Aschbacher und Danei, diese dem Delama, und der wieder dem Firler.
Hofer saß in Matrei, vier Stunden entfernt vom Gefechtsplatz, nicht anordnend und sammelnd wie einstmals, sondern wie in einer vom Waffenlärm nicht berührten, träumerischen Resignation. Er zog sich zurück nach Steinach. Doret fand ihn der bald nachkommende Danei „ganz verwirrt“. Alles war ratlos.

Josef Hirn. Tirols Erhebung im Jahre 1809 . Innsbruck 1909. S 751ff


Dienstag, 17. Juli 2007 - 00:20 Uhr
Figlmesse

Bei der „Figlmesse“ wanderten wohl weit über hundert Schützen, SängerInnen, Musiker und Theaterspieler (viele sind ja bei mehreren Vereinen) aus Grinzens am letzten Sonntag auf den Berg zur „Figlmesse“ und verbrachten Stunden am See über der Salfeiner Alm. Einige Theaterspieler brachen noch nach der Vorstellung von „TirolerFreiheit“ am Samstag auf und übernachteten beim Kreuz am Figl. Bei der Predigt war „TirolerFreiheit“ ein wichtiges Thema. Sie nahm die erste Szene des Stückes zum Anlass, um über die vom Tod angeführte „Blutspur“ des Krieges nachzudenken. e.s.

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